Irgendwas läuft hier falsch – Metzger als Abnehmhelfer?

Eigentlich hört es sich ja ganz gut an: Adipositas-Zentrum. Ein Zentrum was Übergewichtigen hilft wieder ein erträglicheres Gewicht zu erreichen. Mein mittlerweile in Rente befindlicher Kurzzeit-Hausarzt meinte das wäre mein Ausweg. Also kam es dazu, dass ich mir das ganze mal ansah.

Kennt Ihr das mit den Kartoffelchips, die Euch versprechen abzunehmen, wenn ihr diese zu Euch nehmt? Zu schön zum wahr zu sein? Ja, das ist auch das was ich heute von Adipositas-Zentren denke: Es ist einfach zu schön zum wahr zu sein.

Bei meinen Problemen kam zuletzt, ohne auf die Vorgeschichte zu hören immer das „zu schwer“, „zu dick“ oder das lapidare „nehmen sie einfach paar Kilo ab, dann wird’s besser…“ Das das nicht funktionieren kann, wenn die Ernährung passt und Sport wegen diverser gesundheitlicher Probleme nur rudimentär möglich ist, braucht einem gar nicht zu wundern.

Die Urkunden, die Fotos von diversen Laufveranstaltungen derletzten Jahre sind ja nur Schall und Rauch. Vermutlich hatte sich jemand mit meinem Namen überall angemeldet, ist für mich gelaufen, hat für die Streckenfotos einen Doppelgänger engagiert und der Rest – das hat Donald Trump schon erklärt – sind Fakenews. Der Mann hat ja null Ahnung wovon er spricht. Pah, Schmerzen loswerden, wieder vernünftig Luft holen können, was für Ideen dieser Dicke schon hat.

Ich rief bei dem Zentrum an, erhielt sehr kurzfristig einen Termin. Und dann ging es los. Wie groß, wie schwer? Was wurde schon gemacht? Welche Erkrankungen haben Sie alles? Was für Medikamente nehmen sie? Sind die Allergisch gegen bestimmte Medikamente? Vertragen Sie Narkosen?

Vielleicht hätte ich spätestens bei der letzten Frage stutzig werden sollen. Vielleicht hätte es einfach auch gereicht, wenn ich bevor ich zu dem Doc reingegangen bin, einfach mal das Schild an seiner Sprechstunde hätte lesen sollen… Chirurg. Ein Chirurg als Abnehmspezialist?

Die ganze Show dauerte etwa eine Stunde, bis mir ein paar systematische Fotos zeigten, was mir helfen sollte. Ein Magenbypass.

Magenbypass, vereinfacht muss man sich das so vorstellen: Der Magen wird abgekappt und es bleibt nur ein kleiner Restmagenübrig der etwa den Happen von einem Bissen fassen kann, dieser wird direkt an den Darm angeschlossen. Aus dem Restmagen kommen die Magensäfte in den Darm und durch die verkürzte Verdauungsstrecke wird nicht mehr alles verdaut und man nimmt ab. Auf die Art und Weise hat manch ein Mensch schon 60, 70 oder mehr Kilo verloren.

Hört sich interessant an: Quasi der Schnellweg zur Traumfigur. Oft genug denke ich daran mich bei der Werbung des tiefengebräunten Fitnessfreaks aus dem Fernsehen zu melden der verspricht das man innerhalb 14 Tage eine Strandfigur bekäme. Bei mir würde dieser Mann direkt versagen und ich würde es sogar genießen.

Aber hier geht es nicht um irgendwelche Werbeversprechen, sondern um eine dicke fette Operation.
Garantierte Abnahme, kein Jojo-Effekt, keine wirkliche Ernährungsumstellung, kein Sport. Boah, ey, das ist voll fett.

Um ehrlich zu sein, ich ertappte mich dabei, diesen leichten Weg 0,276 Sekunden für gut zu befinden und überlegte in der Zeit schon wie lange das Spiel dauern würde, wie lange ich meine Mutter in die Hände Dritter geben müsse und und und…

Als ich dann wieder zuhause war, kamen dann die ersten Fragen und Gewissensbisse…

In mir pochte die Frage: „Hört sich das ganze nicht zu schön um wahr zu sein an?“

Nun begann ich nachzuforschen.

Ja, es gab viele positive Stimmen. Da wurde von 50 Kilo Abnahme gesprochen, dort erreichte eine Frau das zweite Mal im Leben ihr Idealgewicht, nachdem sie dies am ersten Schultag, nach dem Auffuttern der Schultüte für immer verlassen hatte. Schnell fanden sich aber auch negative Stimmen, wie „Ich habe zwar abgenommen, aber ich würde es nicht wieder machen…“

Die Gründe waren vielfältig. Hier mal eine lockere Auswahl:

  • Durch den kleinen Restmagen habe ich nach jedem Bissen ein Völlegefühl als würde der Magen platzen. Erbrechen inklusive.
  • Ich kann kein Reis, keine Nudeln, kein Brot, keine Kartoffeln mehr essen, seit der Operation vertrage ich diese nicht mehr.
  • Sobald etwas süß ist wird mir kotzübel.
  • Esse ich etwas was etwas fettiger ist, bekomme ich sofort einen übelriechenden Fettstuhl – teilweise mit spontaner Darmkomplettentleerung.
  • Ich vertrage keine süßen Getränke auch keine Säfte mehr.
  • Nach der Operation habe ich zwar abgenommen, aber ich habe dafür nun das Problem nicht laufend unter mein Idealgewicht zu fallen.
  • Durch die Operation bekommt mein Körper nicht mehr genug Vitamin B12, was zu Blutarmut führte. Ich muss das Vitamin nun regelmäßig spritzen.
  • Da der Verdauungsweg zu kurz ist, fehlen meinem Körper laufend Mineralien, die ich dem Körper künstlich zuführen muss.
  • Mein Magendarmtrack hat sich an die Verdauung gewöhnt, wodurch ich wieder zunahm.

Ich könnte noch eine Weile so weitermachen, und da sind dann noch nicht die normalen Operationsrisiken, das Risiko einer Abstoßung der Verdauungswegverkürzung, mögliche Risse an den Nahten, Verletzungen anderer Organe bei der Operation in der Aufzählung enthalten. Lebenslange notwendige Dauerbetreuung durch Ärzte und dergleichen ist dabei ebenso wenig berücksichtigt.

Bevor mich jemand als Schwarzmaler und Negativzeichner abstempeln will. Ja, es mag Menschen geben, für die, diese Operation der letzte Ausweg ist. Aber von einem Adipositaszentrum, hätte ich etwas anderes erwartet, als der direkte Weg in eine Änderungsfleischerei, wo dann eben – im Handwerkerstil beschrieben: Abfluss A gleich mit Ausgang Z verbunden wirst, statt über die dazwischenliegenden Stationen B – X zu gehen.

Meine Hoffnung war, dass man hier gemeinsam einen Weg für eine kontrollierte Abnahme findet und nicht das Teure und nicht gerade risikoarme Operationen als der heilige Gral, gefeiert werden der den Weg in die Erschlankung bringt. Ich hoffte das, hier endlich jemand zuhört, dass ein Weg gefunden wird, die Probleme die zwischen mir, dem Sport und einem leichteren Leben stehen zu beseitigen.

Getroffen bin ich auf eine Maschinerie zum Gelddrucken. 7, 8, 10, 15TSD Euro werden für eine solche Operation aufgerufen. Die medizinischen Kosten für die Vorbereitung und Nachbehandlung noch nicht eingerechnet. In meinem Fall hieße es 1 Blutdrucktablette gegen regelmäßige Vitaminspritzen einzutauschen. Ggf. noch Ergänzungsmittel für Eisen und andere Mineralien zu benötigen, was ich derzeit noch gut mit meiner Ernährung steuern kann.

Wer Pech hat, brauch später weitere Operationen, etwa weil eine Zunahme durch Anpassung des Magendarmtrackes erfolgt ist und dem wieder gegegen gewirkt werden muss. Sicher verdienen wird der Hausarzt, das Zentrum usw. – und sei es nur durch die regelmäßigen Nachfolgeuntersuchungen die später bestenfalls im Dreimonattakt erfolgen müssen.

Auch wenn der Bericht, des Zentrums das Erklären soll, warum ich diese Operation unbedingt brauche, mir noch nicht vorliegt, kann ich eins sagen: Dieser Weg ist nicht der meine… und anderen Abnehmwilligen sei gesagt: Wer den kurzen Weg wählt, muss mit den möglichen Konsequenzen leben… einige habe ich vor wenigen Absätzen aufgezählt.

Ich drehe gerade den Spieß um. Meine Krankenkasse hat auch Interesse, das ich Abnehme, das mögliche Folgeerkrankungen gar nicht erst auftreten und kosten Verursachen. Und sie sollte auch die Fachleute kennen, die einem Helfen dieses Ziel ohne Rumgeschnibbel zu erreichen. Oder um es einfach zu sagen: ich brauch nur jemanden der mich in Bewegung hält, dann regelt sich der Rest quasi fast wie von alleine.

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Foto: krankenhaus-operation-arzt-medizin-2493373 von HansMartinPaul unter CCO Creative Common-Lizenz auf Pixabay.com

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